Ein Tag – ein Ziel – ein Lebenstraum: Ironman Thun

3 Jahre in Folge habe ich erneut mit dem Training begonnen aufgrund der Corona-Situation,3 Jahre all meine Energie zusammengekratzt um meinem Ziel einen Schritt näher zu kommen, 3 Jahre voller Freude, aber auch Schweiß und Tränen. 3 Disziplinen voller Leidenschaft trainiert für diesen einen Finish, für meinen Tag, für mein Ziel, für meinen Lebenstraum.

Hätte mir vorher jemand gesagt was auf mich zukommt, weiß ich nicht ob ich jemals mit dem Training begonnen hätte. Es ist eine Entscheidung für den Traum und gleichzeitig eine Entscheidung gegen das normale Leben.

Schon von klein auf wuchs ich im Sport auf mit dem Hintergrund, dass alles ein Kampf gegen die anderen Athleten ist. Egal ob im Leistungsschwimmen oder im Triathlonkader. Es war immer nur das Ziel besser als alle Anderen zu sein. Das nahm mir nicht nur den Spaß am Sport, sondern auch meine Gesundheit setzte ich dadurch aufs Spiel. Energielos und frustriert wandte ich dem Triathlon-Sport den Rücken zu. Nach ein paar Jahren durfte ich jedoch den Sport von einer anderen Seite kennen lernen. Ich merkte was es mit mir machte, wenn ich den Sport allein für mich machte. „Wieder groß Träumen“ – das machte ich mir zur Aufgabe. “Rauskitzeln“ was ich schaffen kann, wenn ich nur fest daran glaube.

Das Training war hart, aber gleichzeitig war es auch eine Erfahrung, welche ich nicht missen wollte. Und dann war es so weit. Nach neun Monaten diszipliniertem Training, neben meinem Vollzeitjob, stand ich endlich im Startkanal des Ironman Thun.

Das Bergpanorama: ein Traum, die Atmosphäre: einzigartig, mein Gefühl: pures Glück.„Knall“ – um 6.40 Uhr ging es los im kristallklaren Bergsee. Schwimmen: der Teil, wo ich mich immer stark fühle. Auch heute wusste ich nach den ersten zwei Armzügen, dass das mein Tag wird. Ich fand direkt mein Rhythmus und konnte so energievoll die 3,8km zurücklegen.

Wie im Rausch verließ ich nach knapp 1h das Wasser Richtung Rad. 180 Kilometer, 2000 Höhenmeter, das lag nun vor mir. Radfahren ist der Teil, vor welchem ich am meisten Respekt hatte. Es ist die Disziplin, in welcher die meiste Arbeit steckte, denn es ist meine schwächste Disziplin im Triathlon. Doch ich hatte mir ein Ziel gesetzt, bei welchem es keinen Platz für Angst gab – ich wollte mich feiern und Spaß haben, den vollen Genuss erleben, die Höhen und Tiefen eines solchen Tages spüren.

Also fuhr  ich voller Euphorie los. Ich durfte schnell feststellen, dass ich auch beim Radfahren heute in sehr guter Verfassung war. Die Beine hatten Kraft, mein Magen machte mit, ich hatte immer mal wieder ein Lächeln auf dem Gesicht und dazu noch diese atemberaubende Landschaft. Der härteste Teil war nach 90 Kilometern der Strecke am Zielkanal vorbeizufahren und nochmal abzubiegen in die zweite Runde. Noch fühlte ich mich fit, aber bleibt das so? Immer mehr Athleten überholten mich. Ich musste kämpfen Kopfstark zu bleiben. Es fiel mir deutlich schwerer alles umzusetzen wie in der ersten Runde. Auf einmal wurde es windig, auch mich richtig zu ernähren viel mir schwerer, der Rücken und meine Beine machten sich mit jedem Kilometer mehr bemerkbar. Aber den Fokus verlor ich nie. Und so stieg ich völlig stolz nach knapp 6h vom Rad. Ohne Platten, ohne Unfall und mit etwas Reserve für die letze Hürde des Tages.

Nun kam der Teil, auf welchen ich mich schon vor dem Wettkampf gefreut hatte. Der Marathon. Der Teil, bei welchem ich mich zu Hause fühle. Mit leichten Beinen und voller Vorfreude startete ich in den Marathon. Doch ich hatte unterschätz was es heißt nach bereits sieben Stunden im Rennen noch einen Marathon zu laufen. Es wurde immer heißer, die Beine wurden schwerer und auch die Konzentration ließ nach. Ich hangelte mich von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation. Doch irgendetwas in mir ließ die Flamme nie ganz ausgehen. Ich wollte zeigen, was ich noch schaffen kann, wenn ich es nur ganz fest wollte. Ich wusste, dass ich es kann. So arbeitete ich mich vor, Schritt für Schritt Richtung Zielkanal. Das unglaublichste – meine Familie, welche mich von Runde zu Runde trug. Sie waren der Moment, wo ich neue Kraft schöpfte, der Teil des Wettkampfes, bei welchem ich wusste, dass alles richtig ist, die Stelle an der die Schmerzen für einen Moment aufhörten. Das Schönste – die fremden Zuschauer, welche mich die gesamte Laufstrecke unterstützen.

Die letzte Laufrunde – ernähren ging nun gar nicht mehr. Mein Körper sagte mir:„Es reicht“. Doch nun hatte ich es fast geschafft. Und dann war der Moment da…rechts abbiegen in den Zielkanal. Der Moment auf den ich drei Jahre hingearbeitet hatte. Ich war wie in einer Blase als ich den Teppich betrat. Um mich herum, eine jubelnde Menschenmenge , rechts von mir, meine unglaubliche Familie, vor mir, der Zielbogen.  

Und dann der Satz „You are an IRONMAN“.

In diesem Moment überrollte mich eine Gefühlswelle. All die harte Arbeit, all der Schmerz, all der Fleiß, all die Emotionen der letzten Monate erschienen mir plötzlich so sinnvoll. Und das krönte ich noch mit meiner unglaublichen Zeit und einem 3.Platz in meiner Altersklasse.

Noch bis jetzt bin ich überwältigt von diesen Eindrücken und davon was ich geleistet habe. Aber eines ist sicher : Das Glück und meine Leistung war nur durch eine Sache möglich: Meine Familie und Freunde, welche nicht nur die 11.15,__ an mich geglaubt haben, sondern welche die kompletten 9 Monate meinen Lebenstraum zu dem machten, was ich mir so lange erträumt hatte: Zu purer Lebensfreude.

Und ich denke wenn man das nach einem solchen Wettkampf sagen kann hat Sport die Bedeutung welche er haben sollte.

Großen Dank an meinen Trainer Hartwig Rausch, welcher immer für mich da war, Roland Braxmaier für den tollen Swim-Support, an meine Familie und Freunde, welche nie aufgehört haben an mich zu glauben und vor allem an meinen Freund Robin ohne den das Alles niemals möglich gewesen wäre. Er war immer da, hat mich jeden Tag aufs Neue motiviert und hat mich auf Händen getragen. DANKE!

Text und Bilder: Jil Schäfer