Interview um die halbe Welt

Der heutige Weltklassetriathlet und deutsche Meister Jonathan Zipf fand seine Triathlon-Anfänge beim TNB Malterdingen.
Aktuell ist Jonathan in Neuseeland auf Punktejagt für die Olympia-Qualifikation. Wir haben mit ihm ein Interview um die halbe Welt geführt!

Sven: Hallo Johnny, Rio und die Olympischen Spiele stehen vor der Tür. Wie fühlst du dich aktuell? Wie läuft es auf deinem schwierigen Weg zu Olympia?
Johnny: Hi Sven, durch die lange Verletzung 2013/2014 ist der Weg nach Rio relativ steinig. Über Kontinentalcups und Weltcups muss ich mir die letzten Monate wieder genug Punkte erarbeiten um noch in einem der Quali-Rennen zu starten. Aktuell kommt für mich nur noch das letzte von drei Rennen in Yokohama in Frage. Offen ist aber noch alles und das große Ziel Rio 2016 ist fest in mir verankert.
S: Du bist Ende letzten Jahres von einer längeren Verletzungspause (fast zwei Jahre ohne Wettkampf) zurück gekehrt. Was genau war das Problem?
J: Während des Bundeswehrlehrgangs 2013 hatte ich plötzlich Schmerzen im Knie verspürt. Ich kannte dies schon aus verschiedenen Trainingslagern nur mit dem Unterschied, dass ich diesmal eigentlich fast keine Trainingsbelastung hatte. Der Zustand hat sich dann innerhalb eines halben Jahres stetig verschlechtert. Da alle konservativen Behandlungsmethoden ausgereizt waren wurde mir dann zu einer OP geraten. Im Sommer 2014 kam ich dann unter das Messer. Nach einigen Rehawochen und den ersten Versuchen wieder mit dem Training zu beginnen habe ich gemerkt, dass der gleiche Schmerz wieder kam. Erst im Oktober 2014 hat dann ein ganzheitlicher Zahnarzt durch verschiedene kinesioligische Tests und einigen anderen Dingen einen Zusammenhang von einem kranken Zahn zu meinem Immunsystem hergestellt.
Nach einem vergeblichen Versuch den Zahn durch einen Endodontologen zu retten kam er nach weiteren vier Wochen dann raus. Zahn raus, à eine Woche später war der Schmerz bereits deutlich reduziert und auch mein Gesamtbefinden hat sich deutlich verbessert.
S: Der Status während der Verletzung in einem Sonderkader der DTU zeigt die große Unterstützung des Verbandes. Aber was hat dich in dieser Zeit besonders Motiviert, die Strapazen für das Comeback auf dich zu nehmen?
J: Es war das Ziel meine Karriere nicht auf diese Art und Weise zu beenden. Sicherlich waren auch etliche Tage dabei an denen ich ans Aufhören gedacht habe. Es war allerdings auch ein Punkt erreicht an dem ich auch im Alltag ständig schmerzen hatte und nicht nur den Profisport so nicht mehr ausüben konnte. Also musste einfach eine Lösung her
S: Das große Ziel für diese Saison sind die Spiele in Rio oder?
J: Auf jeden Fall. London habe ich durch ebenfalls viel Pech verpasst und damals war die Ausgangssituation nahezu perfekt. Diesmal will ich es schaffen. Ich muss dafür aber meinen komplett eigenen Weg finden. Die Punktejagd der letzten Monate haben mich viel Kraft gekostet aber in der ITU Punkteliste wieder in Schlagdistanz für einen WTS Startplatz gebracht. Jetzt muss ich die Wettkämpfe gezielter aussuchen um dann beim entscheidenden Rennen auch top fit zu sein.
S: Hast du schon Pläne darüber hinaus? Sowohl für den Fall, dass du in Rio an der Startlinie stehst, als auch den Fall, dass du dies nicht wirst. Wie sehen diese aus?
J: Wenn ich die Quali hole werde ich härter trainieren als je zuvor, volle Konzentration auf den Sport. Einen Plan B habe ich auch, versuche diesen aber im Moment nur wenig zu beachten um die Fokussierung auf das eine Ziel nicht zu verlieren.
S: Dein Vater betreibt ebenfalls Triathlon im TNB Malterdingen. Auch du bist in diesem Verein groß geworden und hast den Triathlon-Sport hier kennengelernt. An was aus deiner Zeit beim TNB erinnerst du dich besonders gerne zurück?
J: Ich erinnere mich gerne an die Unbekümmertheit in der Jugend und Juniorenzeit. Einfach zu den Wettkämpfen zu Reisen und zum Beispiel zu Zelten, ohne sich Gedanken zu machen ob in der Vorbereitung alles 100% perfekt gelaufen ist oder nicht. Auch erinnere ich mich gerne an die Koppeleinheiten am Mittwoch die meist so hart wie ein Wettkampf waren. Auch an den Moment an dem ich zum ersten Mal in der Lage war meinen damaligen Trainer Michael Brucker im Training zu schlagen 😉
S: Zum Abschluss: Was würdest du einem jungen Triathlon Einsteiger mit auf den Weg geben?
J: Eine wichtige Sache, die ich in den letzten Wochen und Monaten teilweise ein wenig aus den Augen verloren hatte. Neben aller Professionalität und dem Business was mittlerweile einfach zum Sport gehört ist vor allem eine Sache wichtig.

„We do it cause we love it“.

S: Ein klasse Abschlussatz! Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen dir auf deinem weiteren Weg viel Erfolg!

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Name: Jonathan Zipf

Geburtstag: 20.06.1986

Beruf: Sportsoldat

Kaderstatus: DTU B-Kader